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Fotografieren mit polarisiertem Licht

Eine Übung für zu Hause, wenn man nicht raus kann oder darf.

31. März 2020

"Fotografieren bedeutet mit Licht malen" - diesen Ausspruch hört man sehr oft im Zusammenhang mit der Fotografie.

Die Verwendung von polarisiertem Licht eignet sich besonders dazu, Bilder zu erzeugen, welche man mit bloßem Auge nicht sieht. Wie dies geht, was man dazu benötigt und welche Resultate dabei entstehen seht ihr im Folgendem.

Die Idee

Die unterschiedlichen Wellenlängen (Farben) von weißem polarisiertem (gerichtetem) Licht werden beim Durchdringen von lichtdurchlässigen Körpern je nach Material zum Teil unterschiedlich abgelenkt und in seiner Polarisation geändert.

Zum Beispiel haben einige Sorten von Hartplastik (z.B. Plexiglas) oder auch Cellophan diese Eigenschaft.

Besonders sichtbar werden die Farbeffekte an Stellen, an denen das Material unter Spannung steht, z.B. durch die Formgebung bei der Herstellung oder durch Risse und Knicke.

Um die Lichteffekte im Foto sichtbar zu machen, bedarf es dann noch einen Polfilter.

Das Titelbild zum Beispiel ist keine Aluminiumfolie sondern ein handelsüblicher farbloser Aroma-Bratschlauch aus Polyester (PET), welcher zerknüllt wurde.

Das Set-up

Fotografie

Als Lichtquelle zur Erzeugung des polarisierten Lichtes kann ein Computer-Bildschirm, Laptop oder Tablet verwendet werden. Diese Geräte erzeugen in der Regel ein polarisiertes Licht. Ich kann aber nicht garantieren, dass jeder Bildschirm hier genutzt werden kann. Ich hatte meinen iMac verwendet und es hat funktioniert.

Als Nächstes muss dafür gesorgt werden, dass der Bildschirm weißes Licht ausstrahlt. Hierzu habe ich in Photoshop ein weißes Bild mit den Abmessungen des Bildschirms erstellt und in der Ganzseitenvorschau angezeigt. Es geht aber auch jedes andere Grafikprogramm, mit welchem ein weißer Hintergrund erzeugt werden kann.

Nun benötigt man noch einen Untergrund, auf welchem die abzulichtenden Elemente positioniert werden können. Hier hat sich ein schwarzen Bastelkarton am besten geeignet.

Als Kamera kam meine Sony Alpha 6300 mit dem Sony DT 18-135mm F3.5-5.6 SAM und einem Adapter von A-Mount auf E-Mount zum Einsatz. Vor das Objektiv wurde dann noch der Polfilter NanoPro CPL von HAIDA geschraubt.

Alles auf's Stativ gepackt und schon konnte es losgehen.

Die Durchführung

Als erstes habe ich meinen Haushalt noch möglichen Objekten durchsucht. Nach einigem Suchen und Ausprobieren habe ich ein paar Objekte gefunden, welche recht ansehnliche Licht- und Farbeffekte ergaben. Dabei habe ich festgestellt, dass nicht jede Frischhaltedose aus Plastik hier einen Farbeffekt in gewünschtem Ausmaß erzeugt hat. Hier war die Chance bei Teilen aus "Hartplastik" am größten einen entsprechenden Effekt zu erzielen.

Fotografiert habe ich bei diesen Stilleben mit Blendenvorwahl (Zeitautomatik) mit Blende 9 und einem ISO-Wert von 100. Fokussiert wurde manuell.

Nun muss man etwas mit dem Einstellwinkel des Polfilters experimentieren. Je nach Stellung des Polfilters ergeben sich unterschiedliche Farbeffekte, wie in den Bildern unten am Beispiel der Verpackungsfolie eines Streichholz-Pakets zu sehen ist. Dabei sieht man auch schön den Effekt, welchen die Stellung des Polfilters auf die Darstellung des Hintergrunds hat. Es gibt eine Stellung, in welcher der Polfilter genau das gerichtete Licht des Bildschirmes zu 100% blockiert und somit ein schwarzer Hintergrund entsteht.

Effekt der Polfilterstellung
Effekt der Polfilterstellung
Effekt der Polfilterstellung
Effekt der Polfilterstellung

Das Ergebnis

Im Nachfolgenden könnt ihr ein paar Beispiel der Bilder sehen, welche bei meinen Experimenten entstanden.

Besonders bei der CD-Hülle kann man sehen, wie an den Klemmen zur Halterung des Booklets Spannungen entstanden sind, welche sich nun in schönen Farbverläufen darstellen.

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Beispiel 1
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Beispiel 1
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Beispiel 1
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Beispiel 1
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Beispiel 1
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Beispiel 1
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Beispiel 1

Münzenschutzkappe
CD-Hülle
Messbecher
Trinkbecher
Dressing-Mixbecher
Verpackung eines Streichholzschachtelpakets
Playmobil Fotograf vor Folienwand

Fazit

Das Experimentieren mit polarisiertem Licht war sehr interessant und hat viel Spaß gemacht. Es hat gezeigt, dass man mit einfachen "Haus"-mitteln schöne stilistische Fotos erstellen kann.

Sicher finden sich in euren Haushalten noch andere Objekte, welche weitere schöne Bilder ermöglichen. Zum Beispiel ergeben die bei Partys beliebten Kunststoff-Sektgläser oder auch Plastik-Besteck aus durchsichtigem Kunststoff sehr sehenswerte Bilder. Leider hatte ich diese gerade nicht zur Hand.

In diesem Sinne ...

- Viel Spaß beim Ausprobieren -